Nicaragua

06.07.2019

Wir befinden uns in kurz hinter der Grenze nach Honduras auf rund 1400m.ü.M.. Seit langem ist es wieder einmal angenehm kühl. Dies ermöglicht uns einen erholsamen Schlaf. Die erste Nacht in Nicaragua verbringen wir bei der Familie von Fausto.  Der Lasti steht in einem eingezäunten Gelände und wir sind umgeben von den Häusern seiner Familie. Von den Grosseltern bis zu den Enkelkinder wohnen hier alle auf demselben Gelände. Das Leben im Umfeld der eigenen Familie ist hier die Lösung vieler Probleme. Wir entdecken an diesem Ort eine eigene kleine Welt. Fausto bietet im nahe gelegenen Fluss Canyoningtouren an. Da Layla mutig genug ist, lassen wir uns das Abenteuer nicht entgehen. Nur in der Badehose wandern wir durch den Wald, am und im Fluss entlang, lassen uns im Wasserstrom treiben und springen von Felsen. Die Tour ist ideal für unsere Kids und wir haben an der herrlichen Abkühlung viel Spass. Am Nachmittag kommen die Kinder im Dorf von der Schule zurück und nun haben Lenn und Layla genug "Gspänli" um zu spielen. Von Hühner fangen, Hunde füttern, Fahrrad fahren, Fussball spielen, "Autöle" ... ist alles dabei. Der Grossvater von Fausto bestaunt unser Motorrad und als ihm Frank eine Spritztour offeriert leuchten seine Augen vor Freude. Als Dank reinigt er anschliessend das Motorrad und behandelt alle Roststellen mit seinem Wundermittel "Motorenöl". Frank ist nicht ganz überzeugt, lässt ihm jedoch seine Freude.

 

Am Nächsten Morgen besuchen wir die nahe gelegene Schule. Hier herrscht ein etwas lockerer Schulbetrieb. Die einen haben einen Schleckstengel oder Kaugummi im Mund, im Klassenzimmer sitzt gerade die Kinder die Lust auf lernen haben, die anderen kommen und gehen immer wieder mal.  Wir dürfen bei allen Klassen zuschauen und sind doch erstaunt, wie ruhig und eifrig die einen Kinder trotz des Chaos lernen. Auch wenn die Schulbildung hier in Nicaragua kostenlos ist, ist deren Besuch für die Kinder nicht selbstverständlich.

Wir erleben noch eine entspannte Zeit im Familienkreis von Fausto. Immer wieder bekommen wir typisch nicaraguanische Köstlichkeiten zum probieren. Als Dankeschön zaubert Frank einen Flammkuchen für die Familie, welcher heiss begehrt ist.

Auch hier vergeht die Zeit wie im Flug und wir fahren weiter nach Esteli. Diese Gegend ist bekannt für ihre Zigarrenproduktion. Wir übernachten bei Julio. Er hat eine Zigarrenschachtel-Produktion und einen Zigarren-Shop. Er und seine Frau haben hier über Jahre viele Overlander gratis nächtigen lassen und heissen heute noch alle Willkommen. Leider ist seine Frau vor 3 Monaten verstorben und sein Schmerz über diesen Verlust ist deutlich spürbar. Umso mehr sind wir willkommen und geniesst die Abwechslung. Er erzählt uns viel über die Aufstände und Demonstrationen letztes Jahres, bei welchen rund 500 Menschen erschossen wurden. Dazumal haben auch viele Reisende bei ihm Zuflucht gefunden, da ein sicheres Reisen im Land unmöglich war. Uns wird bewusst, wie schwierig es ist in einem korrupten und politisch unstabilen Land zu leben und Geschäfte zu machen. Seine Firma hat sich seit dieser Krise nicht erholt und von zuvor 70 Personen beschäftigt er heute nur noch 5.

Frank fährt mit Julio nochmals in die Stadt um eine Zigarrenproduktion anzusehen. Die Kids dürfen nicht auf die Besichtigung mit, da das Ammoniak der Tabakblätter zu aggressiv ist. Von Hand werden hier High-End Zigarren gerollt. Vergleichbar ist die Produktion mit Wein. Es braucht viel Erfahrung um die Blätter zu sortieren, den optimalen Geschmack zu erkennen und schlussendlich jede Zigarre auf das Gramm genau zu rollen.

Im klimatisierten Zigarrenlager spürt man dann den beissenden Geruch des Ammoniaks, welches die frischen Zigarren ausdünsten. Keine Minute hält Frank diesen Geruch aus.

Nach einem grossen Dankeschön an Julio fahren wir weiter nach Leon, welches auf Meereshöhe liegt. Nun ist es wieder drückend heiss. In der Stadtnähe übernachten wir auf der Rancho los Alpes. Diese Rancho hatte auch schon bessere Zeiten und so bleibt es bei einer Übernachtung.

Auf dem Weg in die Kolonialstadt Granada machen wir einen Halt beim Vulkan Masaya. Dieser ist immer noch aktiv und von der Krete kann man das flüssige Lava im Krater sehen. Wir machen eine Nachttour, da in der Dunkelheit die Lava rot leuchtet. Die flüssige Lava sprudeln zu sehen ist echt eindrücklich und beim Gedanken daran, dass wir nun auf der Krete eines aktiven Vulkan stehen ist gewöhnungsbedürftig. Wir übernachten beim Parkeingang auf dem Parkplatz, da von nächtlichen Fahrten abgeraten wird. Am Morgen versucht Frank, wie die Tage zuvor, den Lasti zu starten. Seit längerem haben wir eine schwache Batterie.

 

Wir versuchen in der Hauptstadt Managua die Batterien zu ersetzen. Leider ist Wochenende und da haben auch hier viele Geschäfte geschlossen. Der Mann im einzig geöffnete Batterieshop macht grosse Augen als er unsere riesigen LKW-Batterien sieht. Leider hat er nur Autobatterien zum Verkauf. Er kann uns jedoch für Montag eine Adresse geben, wo wir solche Batterien bekommen könnten. Da es hier in Managua nichts zu sehen gibt fahren wir nach Granada. Wir dürfen dort auf dem Parkplatz des roten Kreuzes stehen. Nichts spezielles, doch es scheint ein mehr oder weniger sicherer Ort für unseren Lasti zu sein. Ins  Stadtzentrum haben wir nur 5 Minuten zu Fuss und so flanieren wir am Abend durch das schmucke Städtchen mit seinen vielen Restaurants. Layla freut sich schon länger auf eine Kutschenfahrt, für welche Granada bekannt ist.

Am nächsten Tag ist es heisser als heiss und es geht kein Lüftchen. Wir fliehen an die Seepromenade. Es ist Sonntag und deshalb ist viel los. Auf der Promenade findet ein Motorradrennen statt. Halsbrecherisch fliegen die Jungs auf ihren selbst gebastelten Motorräder mit weit über 100km/h über die holperige Strasse. Weiter hinten im Gelände hat es eine Motocross Strecke, auf welcher die Jungs nicht weniger Mutig über die Hügel fliegen. Echt crazy wie die Leute hier ihren Sonntag verbringen!!!

Wir begnügen uns mit einer herrlichen Abkühlung im See und einer Bootsfahrt durch die 365 kleinen Inseln. Diese stammen vom nahe gelegenen Vulkan Mombacho. Im Jahr 1570 brach durch wiederkehrende Erdbeben ein Teil der Kraterwand auf. Der darin liegende See ist ausgelaufen und hat mit seiner Schlammlawine rund 400 Menschen begraben die vielen Inseln geschaffen.  

Es ist Montagmorgen und wir sind alle gespannt ob die Batterien genug Saft haben um den Motor ein letzten Mal starten. Nach 5 Minuten klick und klack, ist der Motor auf den letzten Drücker angesprungen. Phu!!!! Jetzt nur nicht mehr abstellen. Wir fahren zurück nach Managua um neue Batterien zu suchen. Auf dem Weg hat es Frank etwas zu eilig und so werden wir von der Polizei angehalten. 81km/h anstatt die erlaubten 60km/h. Der Polizist steckt den Fahrausweis von Frank ein und fordert 2500Q (75USD). Wir müssten diesen Betrag bei einer Bank einzuzahlen um anschliessend den Ausweiss wieder zu bekommen. Frank möchte vom Polizisten zuerst den Bussenkatalog sehen. Bei einem durchschnittlichen Tagesgehalt von unter 10 USD ist dieser Betrag ganz schön hoch. Der Polizist zeigt Frank im Katalog jedoch tatsächlich eine Position "Massive Übergeschwindigkeit = 2500Q". Nun heisst es geschickt zu verhandeln. Frank schwärmt von Nicaragua und er jammert, dass wir mit unserem Lasti und unserer Kinder in dieser Hitze nicht zu einer Bank fahren können. Weiter ist dieser Betrag für uns unbezahlbar. Nach einem Vorsichtigen herumschauen fragt der Polizist, wie viel wir bereit wären zu bezahlen. Schlussendlich einigen wir uns auf 600Q (18USD) direkt auf die Hand, ohne den Weg auf die Bank. Das Geld steckt sich der Polizist dann schnell in die Hosentasche. Von heute an wissen unsere Kids, was "Korruption" bedeutet.

 

Nach diesem Zwischenfall finden wir anschliessend in Managua tatsächlich zwei ähnliche Batterien. Gegen Mittag fahren wieder hinaus aus dem Grossstadtchaos zu unserem nächsten Stellplatz. Der Parkeingang zum Vulkan Mombacho liegt etwas höher uns somit ist es hier deutlich kühler. Wir entscheiden uns hier für eine Ziplinetour. Mit dem Jeep fahren wir hinauf auf den Vulkan und sausen anschliessend über 11 Ziplines wieder talwärts. In den Baumkronen entdecken wir Affen und wir haben einen Ausblick über das Jungeldach in die weite Ebene hinunter.

Am Morgen werden wir vom Affengebrüll geweckt. Es ist ein herrlich kühler Morgen. Wir tanken frisches Wasser auf und machen uns auf den Weg ans Meer nach "Playa Maderas".

Die letzen 20 km besteht dann nur noch aus einer Schlammpiste und wir zweifeln, ob wir mit unserem hohen Lasti durch die von Ästen behängende Schlammstrasse kommen. Auch wenn es einige Male eng ist, erreichen wir den "Playa Maderas". Es ist ein Ort zum ankommen. 3 Bars, ein super schönen Beach und Affen, welche sich in den Bäumen tummeln. Wir können uns neben einer Bar einrichten und bekommen Zugang zu Strom und WiFi. Nun ist alles komplett für einen sorgenfreien Aufenthalt. Es waren 3 eher strenge Wochen durch die kleinen Länder von Zentralamerika. Irgendwie sind wir nicht richtig in Fahrt gekommen. Es gibt mehrere Gründe dafür: die Hitze die hier sehr drückend ist, unsere Erwartungen, welche nach Mexiko ein hohes Level erreicht haben, die beengenden Platzverhältnisse für unseren Lasti die das Reisen erschweren und die begrenzte Auswahl an Übernachtungsplätzen. Nun haben wir wieder einen Platz gefunden, welcher sich mit vielen unserer Bedürfnisse deckt. Nun heisst es relaxen, surfen, spazieren am Strand, fischen, motorradfahren, die Gegend erkunden, aperöle und die Familie geniessen......

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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