Nachwehen von Las Vegas

17.12.2018

 

Wir sind auf dem Weg zum Valley of Fire. Dieses liegt ca. 80km nordöstlich von Las Vegas. Wir hoffen auf etwas ruhigere Tage, da alle etwas angeschlagen sind. Die Klimaanlagen haben es uns angetan. Im Valley of Fire hat es einen sehr idyllischen Campground inmitten von grossen Sandsteinformationen. Der Park selber ist klein und übersichtlich. Neben den super farbigen Landschaften geniessen wir hier mehrheitlich die Ruhe. Neben unserem Stellplatz befinden sich super Kletterfelsen mit vielen Einbuchtungen und Höhlen, welche die Kids lieben. So hat jeder seine Beschäftigung. Wir bleiben zwei Tage im Valley. Am Morgen geniessen wir den Camping und am Nachmittag machen wir jeweils einen kleinen Drive durch den Park bis es ein dunkelt. Das ist hier bereits um 16:30 Uhr. Im abendlichen Sonnenlicht sieht alles unbeschreiblich aus. Die Farben sind extrem, da die Erde und Steine bereits von sich aus rot sind. Deshalb auch der Name des Parkes  "Valley of Fire".  

 

Wir treffen hier Richy und Michaela (Österreicher/Deutsche), welche auch in einem LKW unterwegs sind. Sie sind auf unbestimmte Zeit mit ihrem Hund Ricky unterwegs. Wir geniessen den Kontakt mit Gleichgesinnten. Es ist immer interessant was wer wo erlebt hat. Zudem hat jeder seine eigene Geschichte, wie er zum LKW kam. Im Gespräch kommen wir darauf, dass Michaela und Ricky auch kiten. Höchstwahrscheinlich werden wir sie in Mexiko nochmals treffen. Frank würde sich um etwas Gesellschaft beim Kiten freuen. So verplaudern wir den halben Nachmittag miteinander, anstatt den Park zu besichtigen.

 

Frank hat Las Vegas mehr mitgenommen als er zugibt. Er hat sich wieder einmal eine Stirnhöhlenentzündung eingefangen. So bleiben wir noch einen Tag länger im Park als geplant.

 

Alle nun wieder halbwegs gesund fahren wir in das Death Valley. Es ist der heisseste Ort in Amerika und liegt teilweise 85 Meter unter dem Meeresspiegel. Im Sommer wird es hier bis zu 50°C im Schatten. Im Winter sollte es jedoch angenehm warm sein. Wir freuen uns auf kurze Hosen und T-Shirt.

 

Auf dem Weg zum Death Valley fahren wir an einem LKW vorbei, der am Strassenrand im Kies steckt und sich den Gummi vom Reifen spult . Frank fragt so in die Runde:" Sollen wir ihm helfen"? Lenn und Layla sind natürlich voll begeistert. Vor allem Lenn hat immer noch die "HEAVY RESCUE Feuerwehr" von Las Veags im Kopf, welche vorne eine grosse Seilwinde am Truck hatte. So können wir etwas Feuerwehr spielen! Nach diesem demokratischen Entscheid fahren wir zurück zum Truck. Der LKW-Fahrer (Ein Typ mit einer Rastafrisur und mit Goldzähnen) fällt  Frank beinahe um den Hals. Er kann es nicht glauben, dass wir ihn aus seiner misslichen Lage befreien können. Bereits ein Auto hatte es versucht, jedoch ohne den Truck ernsthaft zu bewegen. Zuerst versucht Frank den Truck herauszuziehen. Der Truckfahrer bringt zwei spröde Spanngurte. Frank hat so seine Fragezeichen. Es ist jedoch alles was verfügbar ist. Der Truck gibt Vollgas sodass Staub und Steine herumfliegen. Frank zieht mit dem Lasti langsam am Truck bis die Spanngurten voll gespannt sind. Vergeblich!!! Beide Spanngurten reissen. Der LKW-Fahrer hat beinahe die Hoffnung auf Rettung verloren. Frank versucht es jedoch nochmals und fährt mit dem Lasti hinten an den Anhänger des Truck. Jetzt heisst es stossen. Wieder fliegen Steine da der Truck immer noch mächtig spult. Frank stosst etwas stärker bis der schwere Truck einen Ruck macht. Dann noch einmal einen längeren Stoss und nun greifen die Reifen des Trucks. Er gibt Vollgas um den Schwung auszunutzen um wieder auf die Strasse zu kommen. Tatsächlich!! Er hat es geschafft und rauscht mit Vollgas davon. Er hat keine Ausweichmöglichkeiten mehr, da weitere Fahrzeuge auf der Strasse kommen. Lenn ist mächtig stolz auf diesen Einsatz und er fühlt sich wie ein richtiger Feuerwehrmann.

 

Von weitem sehen wir Sanddünen und möchten in der Nähe übernachten. Die Strasse dorthin ist mehrheitlich eine Sandpiste, welche Quer durch die Landschaft geht. Ist ja kein Problem denkt sich  Frank. Die Wege werden jedoch immer schmaler. Dann bemerkt Frank, das der Boden immer weicher wird und der Lasti immer mehr Power benötigt. Ohhh.... schon zu spät. Wir stecken fest!!!

Wir schaufeln zuerst mal in den Sonnenuntergang hinein und hoffen, dass wir mit unseren Sandblechen wieder aus dem Schlamassel herauskommen. Ungern möchte Frank die Luft an den Reifen ablassen, da das Ablassen sowie das anschiessende Befüllen von Luft viel Zeit benötigt.

Die Reifen graben sich im weichen Sand jedoch immer wieder ein, sobald der Lasti über die Sandblech gefahren ist und sich wieder im weichen Sand befindet. Wir kommen am Luftablassen nicht vorbei. Mittlerweile ist es dunkel geworden. Die Kids befürchten schon, dass uns der Samiklaus in dieser Sandwüste nicht finden wird. Mit Stirnlampe und Schraubenzieher lassen wir den Reifendruck von 8 auf 3.5 bar ab und siehe da, wir fahren als ob nichts gewesen ist durch den Sand auf wieder festes Terrain. Die Kids sind heil froh und legen ihre Samiklausmütze aufs Lastidach. Sie hoffen fest, dass der Samiklaus uns finden wird. Anschliessend heisst es Nachtessen und ab ins Bett. Beim Einschlafen sagt Lenn:"Das isch dä beschti Tag wo ich je erläbt ha."

Schon früh am Morgen öffnen die Kids das Dachfenster und entdecken die gefüllten Samiklausmützen. Die Freude ist gross und die Kids sind erleichtert. 

 

Wir fahren weiter ins Death Valley. Entgegen unseren Erwartungen ist es nicht sonderlich warm und es regnet sogar. Eigentlich sehr selten hier wenn man bedenkt das hier im Jahr nur 50mm Niederschlag gibt. Teilweise sogar 0mm/Jahr. Zum Vergleich Zürich hat 1100mm/Jahr.

So ist nichts mit kurzen Hosen. Wir lassen sogar eine Offroadstrecke aus, da man hier bei Regen in den Bergen mit Sturzfluten rechnen muss. Wir haben schon einige Videos im Visitorcenter gesehen wie sich das abspielen kann. Da sich so eine Sturzflut nicht wirklich ankündigt ist uns das Risiko zu hoch.

Wir durchfahren das Tal vom Norden Richtung Süden. Uns gefallen mehrheitlich die speziellen Gesteinsfarben. Von Rot, Orange, Violette, Weiss bis über Grün ist alles dabei.

Da das Wetter gegen den Nachmittag besser wird, wagen wir einen anderen Offroadtrip zu einer alten Mine (INYO Mine). 2 Stunden fahren wir ein Bachbett hinauf welches uns durch enge Schluchten führt. Nicht viele verirren sich  hier herauf.  Die Steine sind scharfkantig und die Reifen müssen einiges aushalten. Die Mine selber besteht aus verlassenen Hüten und verrosteten Maschinen. Wir entdecken vielen Stollen, welche von Hand erstellt wurden. Ausgerüstet mit Stirnlampen, trauen wir uns bei einigen etwas hineinzulaufen. Das Ganze sieht jedoch ziemlich abenteuerlich aus und so sind wir dementsprechend vorsichtig. Es ist spannend und wir spekulieren wie sich das Leben dazumal abgespielte. In dieser Einsamkeit der Bergen verbringen wir die Nacht.

 

Am nächsten Morgen fahren wir die ganze Offroadstrecke wieder zurück. Wieder auf der Touristenstrecke treffen wir Richy und Michaela aus dem " Valley of Fire". Was für ein Zufall!!! Wir verabreden uns für am Abend und verbringen die Nacht neben einander auf einem Camping. Die Kids sind immer schnell dabei wenn jemand Deutsch spricht. Es ist ein gemütlicher Abend am Feuer.

Einige Sehenswürdigkeiten schauen wir uns am nächsten Tag gemeinsam an. Die Kids himmeln Ricky und Michaela an, da sie Kinder lieben und so ihre Spässe mit den beiden treiben.

Richy macht uns eine Sanddüne schmackhaft, welche bei der Parkausfahrt liegt. Der Weg dorthin geht über eine Offroadstrecke. Da sind wir natürlich dabei. Wir fahren durch unendliches Wüstenland. Die Sonne steht schon tief und das Licht verstärkt die Schönheit. Einmal mehr fühlen wir die Freiheit in dieser Unendlichkeit und werden uns bewusst was wir hier erleben dürfen.

Die Düne sehen wir von weitem. Für die Nacht wählen wir jedoch einen Spot nahe bei einem Wasserloch. Erstaunlich, dass wir nun 2 Stunden durch Sand, Stein und Staub gefahren sind und nun an einem Weiher mit Schilf stehen. Wir entdecken Enten und Schwäne im Weiher, was irgendwie unwirklich schient. Am Lagerfeuer lassen wir mit Richy und Michaela den Tag ausklingen.      

Am Tag darauf fahren wir im Konvoi die restliche Offroadpiste bis zur Hauptstrasse. Von nun an trennen uns die Wege definitiv. Richy und Michaela gehen direkt Richtung Mexiko, wir fahren Richtung Los Angeles und anschliessend San Francisco.

 

Episode:

Im Tal bei der INYO Mine machte Tatjana wieder einmal Käse-Knöpfli. Mhhh... Die Kids haben das Schweizer Essen nicht vergessen und lieben es. So machte Tatjana genug davon, damit es neben dem Nachtessen auch noch reichlich Resten gab. Da Tatjana die feinen Knöpfli kochte machte Frank anschliessend den Abwasch. So hatte er die restlichen Knöpfli in zwei Tupperware abgefüllt und zum auskühlen auf das Dach gestellt. Aus dem Auge aus dem Sinn und nach diesem Motto so sind wir am nächsten Morgen die Offroadstrecke wieder aus dem Tal gefahren.

Am Mittag machten wir einen halt bei einem Salzsee und wollten die Knöpfli aufwärmen. Die Kids waren schon ziemlich hungrig und ein schneller Z'mittag musste her. Als Frank den Kühlschrank öffnete und nach den Tupperware suchte kam ihm der Blitzgedanke. Oh, die waren doch einmal auf dem Dach!!! Nach der letzten Offroadstrecke mit Sicherheit nicht mehr. Die Kids waren schon traurig und schimpften mit Papi weil er sie um ihre Knöpfli brachte. Doch Frank gab nicht auf und hatte die letzte Hoffnung, dass sich ein Tupperware irgendwo im Lasti noch verfangen hatte. Und siehe da, eines des beiden Tupperware mit den begehrten Knöpfli hat sich zwischen Dieseltank und Chassis verkeilt. So waren schlussendlich dennoch alle glücklich über den Knöpflizmittag.

 

 

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